Guide-Line

Eine Guide-Line wird beschrieben als eine >Stimme in einem Arrangement oder Satz, die jeweils einen charakteristischen Akkordton der betreffenden Harmonie enthält und meist in Halb- oder Ganztonschritten geführt wird; Sprünge ergeben sich häufig bei über mehrere Zählzeiten (oder Takte) gültigen Harmonien. Da sich Guide-Lines in der Regel aus langen Notenwerten zusammensetzen, wirken sie als harmonisch-metrisch stützender Ruhepunkt gegenüber bewegter Melodik (Improvisation) und Walking Bass.

Nachzulesen im Handbuch der populären Musik (Wicke/Ziegenrücker, Atlantis Musikbuch-Verlag 1997, S. 212)

 

Erläuterung der vorangestellten Definition

Eine Guide-Line ist eine Begleitstimme in einem Musikstück (gespielt von einem Melodieinstrument); sie ist eine Art Begleitmelodie, das heißt, dass sie also nicht vordergründig den Charakter einer Melodie hat, sondern, da sie ja eigentlich zur Begleitung gehört, sich sehr den Begleitharmonien, also den gerade gespielten Akkorden, anpasst. Dies kommt zustande, indem für eine Guide-Line fast ausschließlich Töne ausgewählt werden, aus denen die jeweils gerade gespielten Akkorde bestehen. Die Guide-Line zu einem großen F-Durseptakkord hätte beispielsweise den Ton f, a, c oder e. Aus klanglichen Gründen wird versucht, für den Akkord charakteristische Töne zu benutzen; bei einem Septakkord sind dies die Septime und die Terz, für den F-Akkord wären dies also e oder a.


Die für eine Guide-Line typische melodische Unauffälligkeit entsteht dadurch, dass sie aus langen Tondauern besteht und fast immer in Halbton- oder Ganztonschritten voranschreitet. Das heißt, dass die zu den jeweiligen Akkorden gespielten Guide-Line-Töne so nah wie möglich beieinander liegen oder sogar dieselben sein sollten (Gesetz des nächsten Weges).


Gilt ein Akkord für mehrere Takte hintereinander, so kann die Guide-Line aus ästhetischen Gründen einen Sprung machen – zum Beispiel zu einem anderen charakteristischen Ton des Akkords.
Sollten beim Voranschreiten der Guide-Line mehrere Möglichkeiten offen stehen (meistens zwei Möglichkeiten, nämlich aufwärts oder abwärts zu gehen), bietet sich an, das Prinzip der Gegenbewegung zu befolgen. Das heißt: habe ich die Möglichkeit, die Guide-Line aufwärts oder abwärts zu führen, entscheide ich mich für die der Bewegung der Bassstimme (oder der meisten vorhandenen Stimmen) entgegengesetzte Richtung.

Sollte das Arrangement oder die Guide-Line bei Einhaltung der Regeln wider Erwarten nicht gut klingen, entscheide dich lieber doch anders und probiere andere Möglichkeiten aus; lass letztendlich immer dein Ohr entscheiden. (Der Komponist Arnold Schönberg meinte, das Gehör sei des Musikers Verstand.)