Jazz

Tritonussubstitut

Das Tritonussubstitut ist eine im Jazz häufig anzutreffende harmonische Erscheinung, bei der ein Dominantakkord ersetzt wird durch einen Akkord - meist einen Septakkord mit ebenfalls dominantischer Funktion - der einen Tritonus (drei Ganztonschritte) tiefer steht.
In der Tonart C-Dur beispielsweise könnte der Dominantseptakkord G7 durch Db7 (Des-Durseptakkord) ersetzt werden. Die typische II-V-I-Verbindung Dm7 - G7 - C würde dann lauten: Dm7 - Db7 - C. Typisch hierbei ist die entstehende chromatisch (in Halbtonschritten) verlaufende Abwärtsbewegung des Basses. Das Tritonussubstitut ersetzt mitunter auch Zwischendominanten oder auch andere Akkorde, wie II. Stufen. Für die harmonische Analyse: Ein Akkord steht im Verdacht, ein Tritonussubstitut zu sein, wenn er auf einem nicht zur Tonart des Stückes gehörenden Ton basiert. (Das Tritonussubstitut steht dem substituierten Akkord im Quintenzirkel genau gegenüber.)

Für nähere Erläuterungen, die über die oben stehende, vereinfachte Darstellung hinausgehen, ist ein Gespräch mit einer der Jazzmusik gegenüber aufgeschlossenen und kompetenten Musiklehrkraft oder einem erfahrenen (Jazz- Pop- oder Rock-) Musiker zu empfehlen.

Miles Existentialismus

In der vergriffenen Ausgabe des Kulturmagazins Du >In a Silent Way. Miles Davis< findet sich eine aufschlussreiche Bemerkung zu Miles Davis Lebensphilosophie:

Miles Davis, Mai 1989.

„1957 in Paris, das war eine meiner besten Zeiten. Da waren wir plötzlich wer, während man uns an unserer West-Coast noch gar nicht richtig wahrnahm.“ Miles schmunzelte vor sich hin. „Juliette Greco und all die Leute. Ich wollte immer einmal mit ihr ausgehen. Aber sie redete dauernd von diesem Existentialismus. Was ist das überhaupt?“ Der Mensch sei eigentlich nach dieser Philosophie ein „Nichts“, brutal in eine Welt geschleudert. Und er müsse sich da in einer Art dauernder Schöpfung immer neu entwerfen, neu setzen, um überhaupt eine Existenzberechtigung zu haben, versuche ich Miles zu erklären. „Das soll also Existentialismus sein? Shit! Tönt ja ganz nach meiner Philosophie“, lacht er, „die haben mich wohl kopiert.“

(Marco Meier/Ralph Quinke. Homestory aus Malibu. In: Du, Heft Nr. 8, August 1989, S. 50.)