Quintenzirkel

Um den folgenden Beitrag zu verstehen, empfiehlt es sich, sich die Abbildung eines Quintenzirkels zu besorgen (Internet, Schulbuch, Musiklexikon) und die Abbildung mit dem folgenden Beitrag zu vergleichen. Der Quintenzirkel zeigt Tonarten an, die jeweils im Abstand einer Quinte zueinander angeordnet sind. Von oben nach rechts, im Uhrzeigersinn, in Quinten aufwärts die Tonarten mit Kreuzvorzeichen, von oben nach links in Quinten abwärts die Tonarten mit B-Vorzeichen. Bei den Kreuztonarten werden die Vorzeichen der Tonart, die voransteht, übernommen und der 7. Ton der (neuen) Tonleiter wird erhöht. Bei den B-Tonarten werden ebenfalls die Vorzeichen der voranstehenden Tonart übernommen und der 4. Ton der Tonleiter wird erniedrigt. Jeder Durtonart (außen) ist eine Moll-Tonart zugeordnet (innen bzw. darunter); beide, die Dur- und dazugehörige Molltonart bestehen jeweils aus den gleichen Tönen.


Der Quintenzirkel gibt den Verwandschaftsgrad der Tonarten (und dazugehörigen Tonleitern) an. Jede Tonart besteht aus 7 Tönen; C-Dur beispielsweise aus den 7 Tönen ohne Vorzeichen: c, d, e, f, g, a, h (den Stammtönen). Die Tonarten sind eng miteinander verwandt, wenn sie viele gemeinsame Töne haben; sie sind im Quintenzirkel benachbart. Je weiter die Tonarten im Quintenzirkel voneinander entfernt stehen, desto weniger gemeinsame Töne - und dementsprechend Akkorde - haben sie. Interessant ist, dass am Quintenzirkel abgelesen werden kann, welche Akkorde zu einer Tonart gehören. Zu den Tonart C-Dur beispielsweise gehört die Dominante G-Dur (die Tonart "über" C-Dur, also rechts neben der Tonika), die Subdominante (sub = unter) F-Dur, sowie die zu diesen Hauptakkorden (Hauptfunktionen) gehörenden Mollparallelen A-Moll, D-Moll und E-Moll. Bei der Ansicht verschiedener populärer Songs beispielsweise finden sich häufig ausschließlich diese erwarteten Akkorde. Zusätzliche Akkorde sind möglicherweise die Doppeldominante, also die Dominante der Dominante (in unserem Beispiel D-Dur) oder die Doppelsubdominante, die sich auch als "volkstümliche" siebte Stufe beschreiben lässt, nämlich als Akkord auf der kleinen Septime der Tonart (in C-Dur wäre diese kleine Septime der Ton b, der Akkord also B-Dur). Weiterhin können Zwischendominanten auftreten, also Domonantakkorde, die zu beliebigen Akkorden der Haupttonart hinführen. Beispielsweise könnte vor D-Moll ein A-Durseptakkord stehen, vor E-Moll ein H-Durseptakkord. So können bei einer harmonischen Analyse im Grunde beinahe alle Harmonien in einem Musikstück der Klassik oder einem populären Song erklärt werden. Auch beim Komponieren von Songs und Finden von Akkorden, die zu einer ausgedachten Melodie passen, hilft dieses harmonische Wissen, um die Anzahl der auszuprobierenden Akkorde zunächst einschränken zu können und so schneller zu einem hoffentlich befriedigenden Ergebnis zu kommen.