Gesellschaft

WLAN-Funk und Vorsorge

In der Resolution 1815 des Europarats unter Punkt 8.3.1. wird gefordert, dass Behörden - insbesondere Bildungs- oder Schulbehörden - Lehrer, Eltern und Kinder über die Gesundheitsrisiken im Umgang mit Funkstrahlung aufklären. Zudem wird die Senkung der Grenzwerte und die Umsetzung des Vorsorgeprinzips gefordert. Schulen sollen, wie auch Krankenhäuser, von Sendanlagen freigehalten werden.

Der Forderung des Europarats nach Aufklärung und Information kommen beispielsweise das Bundesamt für Strahlenschutz und das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit nach, indem sie Vorsorgeempfehlungen im Umgang mit Mobiltelefonen und WLAN-Access-Points herausgeben und generell eine Minimierung von Strahlung empfehlen.
Das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit gibt in einer Unterrichtseinheit für die Grundschule und Sekundarstufe zum Thema „Elektromagnetische Strahlung, Umwelt und Gesundheit“, in dem auch Bezug auf Hamburgs wankelmütige Politik genommen wird (WLAN ja, WLAN nein, doch WLAN), abschließend Folgendes zur Kenntnis:

Vorsorge empfohlen!
Das Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt generell, die Strahlenbelastung so gering wie möglich zu halten. Es ist prinzipiell immer möglich, dass es bisher nicht bekannte gesundheitliche Risiken gibt. Zudem ist das Minimierungsgebot ein Grundprinzip im Strahlenschutz. Die Behörde gibt eine Reihe von konkreten Empfehlungen für den Alltag.
Nutzer/-innen sollten bei WLAN- und Bluetooth-Geräten [...] die von den Herstellern angegebenen Mindestabstände beachten. Falls auf Drahtlostechnik verzichtet werden kann, sollten Kabelverbindungen bevorzugt werden. WLAN-Zugangspunkte ("Hotspots") sollten nicht in der Nähe von Orten eingerichtet werden, an denen sich Personen auf Dauer aufhalten – zum Beispiel direkt am oder neben dem Arbeitsplatz. [...]

 

Das Ecolog-Institut in Hannover, das im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz forscht, kommt in seinen Veröffentlichungen zu EMF und WLAN zu folgendem Ergebnis:

In Schulen sollte aus Vorsorgegründen auf WLAN vollständig verzichtet werden. Wenn in einem Klassenraum mehrere Computer per WLAN und Access-Point vernetzt werden, sind Expositionen der Schüler möglich, die mit Blick auf die besondere Empfindlichkeit des kindlichen Organismus vermieden werden sollten.
- Geräte abschalten: Geräte, wie WLAN-Access Points, die auch im Ruhezustand senden, sollten abgeschaltet werden, wenn sie nicht benötigt werden.

 

Das Umweltbundesamt gibt folgenden Ratschlag:

WLAN-Access-Points, WLAN-Router und Basisstationen von Schnurlostelefonen kommen am besten in den Flur oder einen anderen Raum, in dem man sich nicht dauernd aufhält. [...] WLAN-Router lassen sich abschalten, wenn man sie nicht benutzt.

 

Im Alltag sind oft andere Aussagen zu beobachten: Pauschale Unbedenkichkeitserklärungen und Verharmlosungen, die Verdrängung vorliegender Forschungsergebnisse und Fakten oder ihre Diffamierung als unwissenschaftlich oder ihre Verwechslung mit bloßer Meinung und Versuche, glaubhaft zu machen, dass man nicht wissen könne, ob die zunehmende Belastung durch Strahlung schädlich sei oder nicht.

WLAN - Schule - Hamburg

Hamburg setzt bei der Digitalisierung der Stadt und im Rahmen der Digitalisierung in Bildung und Schule auf WLAN.

2018 sind bereits über 1750 WLAN-Access-Points an Hamburger Schulen verbaut, Ziel ist es, WLAN in jedem Unterrichtsraum zu ermöglichen, so dass Schülerinnen und Schüler mit ihren eigenen Smartphones oder Tablets im Unterricht mit Lernprogrammen aus dem Internet arbeiten können. Hierfür wurde vorsorglich das Hamburgische Schulgesetz geändert, so dass Schülerinnen und Schüler im Rahmen der Vorgaben der Bildungspläne verpflichtet werden können, Lernportale und pädagogische Netzwerke zu nutzen, soweit die Nutzung aus pädagogischen Gründen erforderlich ist.

In § 98b Abs.3 verpflichtet sich die Behörde, in Erfüllung ihrer Aufsichtspflicht zur Gewährleistung des Kinder- und Jugendschutzes. Was konkret mit Kinderschutz gemeint ist und inwiefern ein solcher umgesetzt werden soll, ist nicht näher ausgeführt.

Im Beschluss zur „Gesundheitsproblematik in Zusammenhang mit elektromagnetischen Feldern“ hat das Europaparlament am 2. April 2009 Kinderschutz beschlossen und fordert von den Mitgliedsstaaten das Freihalten von Sendeanlagen an sensiblen Orten wie Krankenhäusern, Seniorenwohnanlagen, Kindergärten und Schulen. Das Aufstellen von WLAN-Access-Points in möglichst vielen Klassenräumen verträgt sich nicht mit den genannten Forderungen. Die Gesundheit insbesondere von Kindern ist dadurch einem erhöhten Risiko ausgesetzt, denn es liegen ausreichend aussagekräftige Forschungsergebnisse vor. Dementsprechend deklariert die Weltgesundheitsorganisation WLAN-Strahlung als potentiell krebserregend.

Laut einer Veröffentlichung der Behörde für Schule und Berufsbildung vom 1. März 2017 sollen Schulen in Hamburg in der Regel mit 10 WLAN-Access-Points ausgestattet werden. Im September 2018 wurde bekräftigt, dass der WLAN-Ausbau jedem Unterrichtsraum gilt. Es gibt in Hamburg inzwischen Schulen, die eigenverantwortet 30 und mehr entsprechende Strahlungsquellen installiert haben. Bei etwaigem Dauerbetrieb der WLAN-Access-Points droht eine unvernünftig hohe Strahlungsexposition der Schulgemeinschaften, inbesondere der Kinder. Die Notwendigkeit der Anwendung des Gesundheitsvorsorgeprinzips und zur Ausgabe entsprechender Hinweise an die Schulen zu bedarfsgerechter Nutzung im Sinne des Strahlungsminimierungsgebots ist bisher nicht erkannt oder versäumt worden. Dies irritiert angesichts der Deutlichkeit aktueller Vorsorgeempfehlungen, die aufgrund institutioneller und unabhängiger Forschungsergebnisse ausgesprochen werden, welche in der elektromagnetischen Strahlung auch unterhalb der derzeit in Deutschland festgesetzten Grenzwerte Gesundheitsrisiken erkennen und dokumentieren. Bundesministerien (für Strahlenschutz; für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit; der Justiz und für Verbraucherschutz; Umweltbundesamt) weisen auf den Grundsatz des Vorsorgeprinzips und Vorbeugens hin, auf dem europäische Umweltpolitik beruht (Vertrag über die Arbeitsweise der EU). Der Europarat fordert, dass Lehrkräfte, Eltern und Kinder von behördlicher Seite über Gesundheitsrisiken aufgeklärt werden, sowie eine strikte Regulierung (Resolution 1815).

Verharmlosend und obskurantistisch anmutend wird oft erklärt, dass doch offizielle Grenzwerte eingehalten würden. Allerdings wird von Gremien wie dem Europarat und der europäischen Umweltagentur eine drastische Senkung dieser Grenzwerte gefordert, auch der BUND sowie Ärztearbeitskreise rufen begründet dazu auf. Vor dem Hintergrund, dass in Deutschland zu gesundheitlichen Risiken durch elektromagnetische Strahlung aktuell geforscht wird und kein abschließendes Urteil möglich sei, insbesondere über die Wirkung auf Kinder, wäre es richtig, das Minimierungsgebot - ein Grundprinzip im Strahlenschutz - und das Vorsorgeprinzip zum Schutz der Gesundheit umfassend anzuwenden. Dadurch kann verhindert werden, dass beispielsweise Schulleitungen einen Dauerbetrieb aller schulischen WLAN-Access-Points in allen Klassenräumen fordern oder anweisen, selbt wenn gerade kein Internetzugang über WLAN benötigt wird und die Geräte wieder ausgeschaltet werden können. Hier sollte eine klare Anweisung zu Gesundheitsvorsorge und Strahlungsminimierung erfolgen, die gebotene Fürsorge garantiert.

Kinderschutz und der Gesundheitsschutz der Beschäftigten steht in der Schule an oberster Stelle. Ein unter allen verfügbaren Aspekten vernünftiger und einvernehmlicher Umgang mit neuer Technik nützt allen Beteiligten, indem Unsicherheiten abgabaut, Stress reduziert und dem Recht auf eine gesunde Umwelt zu entsprechen versucht wird.

Es liegt auch in der Verantwortung der Lehrerinnen und Lehrer sowie der Eltern, sich aufgrund der zunehmenden Strahlungsbelastung für einen vorsorglichen Umgang mit WLAN insbesondere in der Schule einzusetzen, denn die Verantwortung gegenüber der eigenen und der Kinder Gesundheit kann ihnen nicht abgenommen werden.

 

Hier eine Auswahl an Links zu Informationen zum Thema:

BUND

Gesundheitsgefährdung durch WLAN-Strahlung an Hamburger Schulen

 

Bundesamt für Strahlenschutz

Infoblatt Bluetooth und WLAN

Zitat, S. 2:

Vermeiden Sie die Aufstellung von zentralen WLAN-Zugangspunkten in unmittelbarer Nähe der Orte, an denen sich Personen ständig aufhalten, zum Beispiel am Arbeitsplatz.

 

Diagnose Funk

(www.diagnose-funk.org)

WLAN an Schulen

Brennpunkt - Publikationen

Risiken für Kinder durch Strahenbelastung

 

Ärztearbeitskreis Stuttgart - offene Briefe

WLAN und digitale Endgeräte an Schulen (2014)

WLAN an Schulen (2018) - inklusive Übersicht zur Studienlage

 

Ecolog-Institut für sozial-ökologische Forschung und Bildung (arbeitet auch im Auftrag des BfS)

(https://www.ecolog-institut.de)

EMF-Handbuch

Zitat, S. 97:

- In Schulen sollte aus Vorsorgegründen auf WLAN vollständig verzichtet werden. Wenn in einem Klassenraum mehrere Computer per WLAN und Access Point vernetzt werden, sind Expositionen der Schüler möglich, die mit Blick auf die besondere Empfindlichkeit des kindlichen Organismus vermieden werden sollten.

- Geräte abschalten: Geräte, wie WLAN-Access Points, die auch im Ruhezustand senden, sollten abgeschaltet werden, wenn sie nicht benötigt werden.

 

WLAN-Broschüre

Zitat, S. 28:

- Installieren Sie den Access Point (und den Repeater) in möglichst großem Abstand zu den Plätzen, an denen Personen sich häufiger oder für längere Zeit aufhalten – am besten in einem kaum genutzten Raum!

- Stellen Sie das Endgerät möglichst weit entfernt vom Sitzplatz auf!

- Schalten Sie an den Endgeräten die WLAN-Funktion aus, wenn das WLAN nicht genutzt wird!

 

Vorsorgeprinzip

Das Vorsorgeprinzip als Grundprinzip des Umweltschutzes zum Schutz insbesondere von Menschen ist festgelegt im EU-Vertrag Artikel 191, Absatz 2.

 

Definition des Umweltbundesamtes:

Vorsorge soll verhindern, dass Gefahren überhaupt erst entstehen. Das Vorsorgeprinzip leitet uns also dazu an, frühzeitig und vorausschauend zu handeln, um Belastungen zu vermeiden. Risikovorsorge bedeutet, selbst bei unvollständigem oder unsicherem Wissen über Art, Ausmaß, Wahrscheinlichkeit sowie Kausalität von Schäden und Gefahren vorbeugend zu handeln, um diese von vornherein zu vermeiden.

 

Die EEA (European Environment Agency - www.eea.europa.eu - Europäische Umweltagentur) definiert das Vorsorgeprinzip (precautionary principle) folgendermaßen:

The precautionary principle provides justification for public policy actions in situations of scientific complexity, uncertainty and ignorance, where there may be a need to avoid, or reduce, potentially serious or irreversible threats to health and the environment, using an appropriate strength of scientific evidence, and taking into account the pros and cons of action and inaction.

(https://www.eea.europa.eu/highlights/health-risks-from-mobile-phone)

Sittenwidrigkeit

Sittenwidrigkeit kann es nur dort geben, wo Sitten überhaupt in Kraft sind.

Bezeichnungsunschädlichkeit

Einem reinsortigen Wein dürfen gemäß EU-Recht 15% einer anderen Rebsorte beigemischt werden, ohne dass dieser Verschnitt entsprechend bezeichnet werden müsste ... Fragt man in einer Weinhandlung nach einer reinsortigen Flasche (und gibt zu erkennen, dass man die 15%-Regel kennt), so wird man vermutlich keine Kaufempfehlung erhalten, da selbst die Händler sich nicht sicher sein können ... Wenn zwei Weine eingekauft werden, um eine Cuvée herzustellen, besteht der Wein möglicherweise schon aus vier Rebsorten. Diese Regelung führt das neologistisch anmutende Argument der Bezeichnungsunschädlichkeit an und scheint in heiterer Runde, womöglich während eines sachdienlichen Tastings, entstanden zu sein.